Mutprobe

by Administrator on 25. Januar 2012

Im Gymnasium Raubling war ein Vortrag von Sigmund Gottlieb über sein Buch “Mutprobe – Zivilcourage kann man lernen” statt. Die Veranstaltung richtet sich an die Schüler der Jahrgangsstufen zehn bis zwölf. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zur Diskussion

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Im letzten Kapitel seines Buches gibt Sigmund Gottlieb 10 Tipps, wie sich Zivilcourage lernen lässt:

1. Erkenntnis ist der erste Weg zur Besserung. Sie müssen sich darüber klar werden, wo für Sie persönlich die ärgsten Feinde des Mutes lauern. Ist es die Gewohnheit, die Bequemlichkeit, die Unsicherheit, die Konfliktunfähigkeit oder gar die Angst? Oder ist es der Bruder der Bequemlichkeit, der Schlendrian? Ist es eine Mischung aus allem? Es sind diese unsäglichen, diese inneren Schweinehunde, die uns immer wieder daran zu hindern versuchen, unsere großen und kleinen Mutproben zu bestehen. Versuchen Sie daher herauszufinden, wie Ihr innerer Schweinehund heißt, wie er beschaffen ist und warum er es Ihnen oft unmöglich macht, Mut zu zeigen. Machen Sie sich auf die Suche nach Ihren inneren Widerständen, die Sie daran hindern, mutig zu handeln.

2. Beginnen Sie mit den kleinen Mutproben des Alltags. Keine Angst, hier geht’s nicht um Gefahr für Leib und Leben! Todes- und Verletzungsgefahr gleich Null. In diesen Fällen geht es um den Mut des eigenen Standpunkts und um die Vertretung unserer eigenen Interessen. Es sind die täglichen kleinen und großen Kämpfe gegen Gleichgültigkeit und gegen die »Passt-schon-geht- schon-Krankheit«. Wenn der Handwerker seinen Auftrag nicht ordnungsgemäß ausgeführt hat, dann ist er zur Rede zu stellen. Wenn im Kühlregal des Supermarktes das Verfallsdatum der H-Milch abgelaufen ist oder die Tomaten faul sind, dann ist dafür der Geschäfts-führer der Filiale verantwortlich, und ihm muss man die Schlamperei zur Kenntnis bringen. Wenn wir’s nicht tun, akzeptieren wir den Missstand. Sie werden es erleben: Ihr ganz normaler Alltag fordert Ihnen mehr Mutproben ab als Sie glauben. Stellen Sie sich ihnen, nicht morgen oder im nächsten Jahr, sondern jetzt!

3. Erinnern Sie sich an das Kapitel »Nein«? Fällt es Ihnen schwer, nein zu sagen? Dann lernen Sie jetzt, nein zu sagen, wenn Sie nein meinen. Sagen Sie nicht ja und nicht jein, wenn Sie überzeugt davon sind, dass ein Nein die richtige Antwort ist. Sie haben recht: Nein ist ein schwieriges Wort, hart, unbequem und unbeliebt. Wenn Sie Kinder oder Enkel haben, werden Sie mir ganz besonders zustimmen. Aber es gibt keine Liebe der Eltern oder der Großeltern, die ohne das Wort Nein auskäme. Es auszusprechen heißt in den meisten Fällen eine Konfliktsituation zu bewältigen. Diese stehen Sie umso besser durch, je überzeugender Sie Ihr Nein begründen und erklären. Lernen Sie, nein zu sagen. Ein Nein, das erklärt wird, kann befreiende Wirkung haben. Ihnen geht es besser und Ihr Gegenüber weiß auch, woran es ist.

4. Sie empören sich über die brutalen Überfälle in S- und U-Bahnhöfen? Sie regen sich auf über die Gaffer beim Verkehrsunfall? Das haben Sie mit vielen Bürgerinnen und Bürgern gemein. Doch Empörung ist eine Ersatzhandlung, die noch nichts bewirkt. Tun Sie was! Melden Sie sich für einen Erste-Hilfe-Kurs an, wenn Sie noch keinen gemacht haben. Sollten Sie schon einen absolviert haben, dann überlegen Sie sich, ob Sie den Kurs nicht durch einen zweiten auffrischen sollten. Dann werden Sie wissen, wie Sie bei einem Verkehrsunfall Hilfe leisten können, dann haben Sie keinen Grund mehr, weiterzufahren und sich auf die anderen zu verlassen, nur weil Sie sich unsicher fühlen. Halten Sie in jedem Fall an! In einer Notsituation gibt es immer etwas zu tun, zu helfen – und sei es nur, die psychische Belastung, die von dieser Extremsituation ausgeht, auf mehrere Schultern zu verteilen.

5. Sie können sich oder Ihre Kinder auch auf den Ernstfall vorbereiten. Arbeitsgruppen an diversen Universitäten (z.B. München, Zürich und Göttingen) haben Trainingskurse für Zivilcourage entwickelt. Es gibt unterschiedliche Trainingsangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die Programme sind praxisbezogen. Mehr zum Angebot der Universität Zürich erfahren Sie unter www.zivilcourage-portal.ch. Das Göttinger Programm finden Sie unter www.psych.uni-goettingen.de/ abt/6/forschung.

6. Irgendwann kommt der Augenblick der Entscheidung. Es geht jetzt nicht mehr um den »kleinen Mut«, sondern um eine existenzielle Situation. Jemand ist in Not, weil er von Gewalttätern bedroht wird oder weil er zu ertrinken droht. Nun gilt es! Werden Sie all Ihren Mut zusammennehmen, heraustreten aus der Masse der Passiven, der Wegschauer, der Mitschwimmer, der Abwarter? Diese Frage wird dann beantwortet werden, wenn der Ernstfall eintritt. Aber Sie können lange vor dem Moment schon eine Entscheidung treffen, indem Sie Ihr Verhalten Schritt für Schritt zu verändern suchen: 
• Hinschauen, wenn sich ein lautstarker Streit anbahnt! Im Zweifel das Schlimmste vermuten –wenn man sich getäuscht hat, umso besser.
• Keine Angst vor Fehlern! Zu helfen kann nie falsch sein.
• Sich mit anderen verbünden, denn in der Gruppe ist man immer stärker. Sollten Sie dann eines Tages vor einer Mutprobe mit unabwägbaren Folgen für sich selbst stehen, erinnern Sie sich vielleicht an die Kinder zwischen neun und dreizehn, die das Leben anderer unter Einsatz ihres eigenen gerettet haben, ohne eine Sekunde zu zögern, und die in diesem Buch beschrieben sind.

7. Zivilcourage und Mut lassen sich nicht im Lehrplan festschreiben. Sie sollten in der Schule gelebt und gefördert werden. Dort ist neben der notwendigen Wissensvermittlung das Ziel zu verfolgen, das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl junger Menschen so auszu- prägen, dass sie mutig ihren Weg durchs Leben gehen können. Die Schule sollte junge Menschen genauso wie das Elternhaus dazu anregen, »Inseln des Engagements« zu betreten, wo besondere Formen des Muts gelebt werden: bei der Freiwilligen Feuerwehr, bei der Wasserwacht, bei der Bergwacht, in der Altenpflege, bei der Betreuung von Behinderten. Bei jungen Leuten ist eine große Bereitschaft für solche Aufgaben zu beobachten. Das Gerede von der Null-Bock-Generation ist unverantwortlich und falsch. Wie wäre es, wenn man das Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler für Bürgermut weiter schärft, indem man Mut-Menschen, wie sie auch in diesem Buch vorgestellt werden, zur Diskussion in die Schulen einlädt? Mut-Erlebnisse können Jugendliche auch im Erfahrungsaustausch mit den Älteren und Alten in der Gesellschaft haben. Ein gelebtes Leben bringt oft sehr viel Mut und Gelassenheit zum Vorschein und kann für die Jungen ein Vorbild sein.

8. Sie können Ihre erste Mutprobe ablegen, indem Sie Ihren Gleichmut durch Engagement ersetzen. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass andere hingehen, seien Sie selbst dabei. Beteiligen Sie sich an Aufrufen und Aktionen, die ein Zeichen setzen wollen, dass in unserer Ge- sellschaft nicht Gleichgültigkeit, sondern Menschlichkeit, Nächstenliebe, Bürgersinn und Zivilcourage als zentrale Werte gestärkt werden. Damit geben Sie sich als Mitglied einer Gemeinschaft zu erkennen, die sich von Brutalität und Gewalt nicht entmutigen lässt. Verstehen Sie sich als Teil einer hoffentlich immer größer werdenden Gruppe von Menschen, die sich gegen feige Angriffe stellen. Eine solche Aufsehen erregende Aktion war die Kundgebung »Nimm Dein Herz in die Hand« der Dominik – Brunner-Stiftung. Jeder einzelne von Ihnen kann dazu beitragen, dass durch sein Engagement die Kultur des gemeinsamen Einschreitens gegen derartige Übergriffe wächst und nicht an Kraft verliert.

9. Verlag und Autor wollen versuchen, eine Debatte über Mut und Zivilcourage in unserer Gesellschaft anzustoßen. Für dieses Thema, für diese Tugenden gibt es in der Bevölkerung, aber auch beim Spitzenpersonal dieser Republik eine große Bereitschaft. Diese Stimmung gilt es jetzt zu nutzen. Wir wollen den Versuch unternehmen, it Erscheinen dieses Buches einen Mut-Markplatz einzurichten, auf dem Sie sich einfinden können, um mit anderen Lesern über die »Mutprobe« zu diskutieren. Sie sollen uns von Ihren Erfahrungen mit dem Thema »Zivilcourage« berichten, sie sollen uns Anregungen geben. Auf unserer Internetplattform www.mut-probe.de haben Sie es in der Hand, eine breite, viele Gruppen unserer Gesellschaft erfassende Mut-Diskussion anzustoßen und ihre Richtung zu bestimmen. Natürlich werde ich auf diese Weise mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, in Kontakt bleiben. Einmal in der Woche werde ich mich auf www.mut-probe.de mit einem Blog zu Wort melden. Vielleicht entsteht aus der Diskussion mit Ihnen und den Beispielen für Mut, die Sie beizutragen haben, sogar der Stoff für ein neues Buch, wer weiß?

10. Und noch ein letzter Tipp: Tragen Sie dafür Sorge, dass Ihnen unser Mut-Thema immer wieder ins Auge springt! Schneiden Sie sich ein Kärtchen zurecht, das in Ihre Geldbörse passt oder in die Box für Ihre Visitenkarten. Darauf drucken Sie mit dem PC oder schreiben mit dicker Tinte den wunderbaren Satz des Dichter- Genies Carl Zuckmayer: »Der Mut und die Bestimmung zum Leben scheinen mir – in Glück und Unglück, Macht oder Ohnmacht – der einzige feste Halt in der ungewissen Irrfahrt unseres Daseins.« Es ist gar nicht so schwer, diese Zeilen auswendig zu lernen.

Aus: Sigmund Gottlieb, Mutprobe – Zivilcourage kann man lernen, S. 217-222

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Politische Debatte in Bruneck

06.12.2010

Auch auf der Veranstaltung bei Athesia in Bruneck am Samstag wurde rege diskutiert. Es entzündete sich sogar eine politische Debatte: Eine Politikerin der Grünen diskutierte mit Brunecks Bürgermeister Christian Tschurtschenthaler, der in der letzten Zeit wegen eines Bürgerentscheides heftig in der Kritik stand. Doch auch andere Bereiche wurden thematisiert: Athesia-Filialleiter Meinhard Feichter wollte wissen, was [...]

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Abstecher nach Südtirol

06.12.2010

Die Lesereise wird international: Am Freitag sprach Sigmund Gottlieb im Kolpinghaus Bozen in Südtirol. Ein Thema war die derzeitige Situation der italienischen Presse – diskutiert wurde unter anderem der Unterschied zwischen den regierungskritischen Printmedien und dem italienischen Fernsehen, das der Kontrolle des Staates untersteht. Das Publikum war voll Engagement bei der Sache und diskutierte heftig [...]

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Mutprobe in Dachau

02.12.2010

Die nächste Station der Lesereise durch Bayerns Schulen war gestern das Ignaz-Taschner-Gymnasium in Dachau. Die Schüler interessierte hier beispielsweise, ob man belangt werden kann, wenn man als Zeuge einer Gewalttat lediglich die Polizei ruft, anstatt selbst einzugreifen. Die Antwort lautete nein, die Polizei rufen ist genau die richtige Reaktion und man soll sich auf keinen [...]

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Rede und Antwort in Würzburg

01.12.2010

Am Montag diskutierte Sigmund Gottlieb mit Schülern des Friedrich-König-Gymnasiums in Würzburg über die Themen Mut und Zivilcourage. Sogar Würzburgs Bürgermeister Dr. Dr. h. c. Adolf Bauer war dabei und eröffnete die Veranstaltung. Die Schüler waren interessiert und engagiert bei der Sache und stellten mutige Fragen: Beispielsweise wollte ein Schüler wissen, ob Herr Gottlieb gerne Journalist [...]

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Auf die Probe gestellt

22.11.2010

Am Freitag ging die Lesereise weiter: Sigmund Gottlieb sprach im Katholischen Begegnungszentrum Altötting über sein Buch. Bei der anschließenden Diskussion wurde ein höchst interessanter Punkt angesprochen. Einer der Zuhörer hatte den Ernstfall miterlebt: Vor einer Wirtschaft kam es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen. Glücklicherweise griff die Wirtin ein und schaffte es, die Situation zu [...]

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Sigmund Gottlieb in Vaterstetten

15.11.2010

Am Donnerstag sprach Sigmund Gottlieb erneut vor engagierten “Mutmenschen” über sein Buch „Mutprobe“ – diesmal im „Buchladen“ in Vaterstetten. Im Anschluss gab es wieder eine interessante Diskussion über die Themen Mut und Zivilcourage. Tweet

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Sigmund Gottlieb bei Thalia in Nürnberg

08.11.2010

Am vergangenen Samstag setzte Sigmund Gottlieb seine Lesereise in Nürnberg fort und sprach im Thalia-Buchhaus Campe über „Mutprobe“. Ein weiteres Mal stieß das vielschichtige Thema auf reges Interesse beim Publikum und wurde in der nachfolgenden Diskussion lebhaft erörtert. Auch in Nürnberg zeigte sich: Mut und Zivilcourage liegen den Menschen sehr am Herzen. Tweet

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Sigmund Gottlieb diskutiert mit Augsburger Schülern

20.10.2010

Heute gab es wieder eine spannende Diskussion zu den Themen Mut und Zivilcourage: Im Augsburger Holbein-Gymnasium las Sigmund Gottlieb vor 200 Schülern und Lehrern aus Mutprobe und löste wieder einmal eine intensive Diskussion aus. Auch die Augsburger Schüler interessierte besonders die Frage: Wie kann ich helfen, wenn ich sehe, dass jemand angegriffen wird? Die Schüler [...]

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